Oktober 2020

KEIN AKADEMISCHES GHOSTWRITING

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Schreiben mit Geist. (Bildquelle © SCHAEBENSCHREIBT)

Wer im Netz nach einem Ghostwriter sucht, wird leicht fündig. Auf den ersten Google-Seiten präsentieren sich jede Menge Anbieter, die all das erledigen, wozu sich der Student heutzutage ganz offensichtlich nicht mehr in der Lage sieht: Eine wissenschaftliche Arbeit selbst zu verfassen. Die große Anzahl der Anbieter, die akademisches Ghostwriting anbieten oder sich sogar ausschließlich darauf spezialisiert haben, lässt darauf schließen, dass es eine große Nachfrage dafür gibt. Aber irgendwie scheint dieser lukrative Markt nicht ganz sauber. Da bieten Ghostwriter „diskret und zuverlässig Bachelorarbeiten“ an. Oder „helfen anonym bei Bachelor, Master und mehr“. Warum diskret und zuverlässig? Gibt es denn etwas zu verbergen? Warum anonym? Sind wir auf einem Schwarzmarkt? Andere – am Ghostwriting Interessierte – stellen Fragen wie: Ist akademisches Ghostwriting legal? Kann Ghostwriting auffliegen? Ist das strafbar? Ist eine Arbeit, die ein Ghostwriter für mich geschrieben hat, ein Plagiat? Angeblich ist auf der Nachfragerseite also wenig Sachkenntnis vorhanden. Das suggerieren die Fragen. Aber zumindest ein Bewusstsein, dass die Beauftragung einer Ghostwriting-Agentur oder eines Ghostwriters eine Sache ist, die nicht ganz konform geht, mit den Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens, scheint vorhanden. Sonst würden derartige Fragen erst gar nicht gestellt.

Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört u.a., dass man die Arbeit selbst verfasst hat. Doch längst nicht immer sind Masterthesis oder Doktorarbeit auf dem eigenen Mist gewachsen. Das ist längst bekannt. Auch bei mir gehen regelmäßig Anfragen ein, ob ich nicht Interesse hätte, diese oder jene Arbeit zu schreiben. Bezahlt würde ich in Euro oder wahlweise in Schweizer Franken. Auch US-Dollar und Bitcoins kamen schon vor.

Ein Ghost, der seinen Namen nicht nennen wollte, gab vor einigen Jahren ein Interview (»Tipps vom Ghostwriter« ZEIT Campus Nr. 4/2011). Er habe in seiner Ghostwriter-Karriere über 80 wissenschaftliche Arbeiten für andere geschrieben. Solche Arbeiten seien illegal, wenn man sie unter dem eigenen Namen einreiche. Deshalb würden Ghostwriter, die akademische Arbeiten schreiben, auch allen Kunden sagen: „Wir geben euch hier nur ein Beispiel, wie eine solche Arbeit aussehen könnte. Das kann euch dabei helfen, selbst auf eine Idee zu kommen, aber bitte reicht es nicht unter eurem Namen ein.“ Auf die Frage, ob sich jeder dranhalten würde, antwortete er: „Wahrscheinlich eher nicht.“

Ein Ghost, der darauf hinweist, dass eine vom Ghostwriter geschriebene wissenschaftliche Arbeit nicht als die eigene eingereicht werden darf, versucht sich damit reinzuwaschen. Dabei hat seine weiße Weste längst dunkle Flecken bekommen. Was kaum zu vermeiden ist, wenn man sich in einer Grauzone bewegt. Und darum schreibe ich keine akademischen Arbeiten. Wer wissen will, was ich geschrieben habe und für wen, schaut sich meine Referenzen an oder schreibt mir: mail@schaebenschreibt.com. Ganz offiziell.

Autor: Holger Schaeben, Schreibkraft; schreibt Bücher für seine Auftraggeber (als Ghostwriter) und für seine Leser (als Holger Schaeben)